Obwohl die nächsten Präsidentschaftswahlen noch zwei Jahre entfernt sind, muss man feststellen, dass die Diskussion über eine mögliche zweite Amtszeit von Präsident Umara Yar’Adua bereits jetzt begonnen hat. Politische Beobachter machen das an mehreren Punkten fest.
Zum einen hat der ehemalige Vizepräsident Atiku Abubakar kürzlich völlig überraschend seinen ehemaligen Chef, Ex-Präsident Olusegun Obsanjo, auf dessen Ota-Farm besucht. Beide Männer bestätigten nach dem Treffen, dass man die Streitaxt begraben habe, um das Land voranzubringen. Nach diesem Statement dürfte es nicht weiter verwunderlich sein, dass man davon ausgehen kann, dass Atiku möglichst bald in die PDP zurück wechselt. Das größte Hindernis für eine mögliche Wiederaufnahme in die PDP war nämlich sein Zerwürfnis mit Ex-Präsident Obasanjo. Wie auch immer diese Rückkehr später gegenüber der interessierten Öffentlichkeit begründet werden wird, so zeigt sie doch in auffallender Weise, dass die Loyalität zu einer Partei oder einer politischen Gruppierung immer dem eigenen Weiterkommen und dem eigenem Vorteil untergeordnet sind. Atiku hatte die PDP im Streit mit Präsident Obasanjo verlassen und war als Präsidentschaftskandidat des Action Congress in die Wahlen 2007 gegangen und jetzt nachdem er sieht, dass er nur bei der PDP eine Chance zur Präsidentschaft hat, wechselt er genau so einfach und unproblematisch das Parteibuch erneut.
Präsident Yar´Adua
Dieses Treffen der beiden mächtigen PDP-Politker hat im Lager von Staatspräsident Yar’Adua, der sich selbst noch in keiner Weise zu einer möglichen zweiten Amtszeit geäußert hat, große Aufmerksamkeit erregt. Beobachter sehen dies darin bestätigt, dass Yar’Adua den früheren Chairman des Board of Trustees der PDP, Toni Anenih – einen bekannten, um nicht zu sagen berüchtigten Strippenzieher in der PDP - vor kurzem zum Chairman of the Board of Nigerian Ports Authority (NPA) ernannt hat. Diese Institution gilt im politischen Nigeria als eine äußerst ergiebige Melkkuh, d.h. es wird unterstellt, dass die große Teile der Einnahmen dieser Organisation in irgendwelchen dunklen Kanälen einer möglichen Kampagnenfinanzierung verschwinden.
Wie bereits im Vorfeld der letzten Wahlen 2007 positionieren sich die verschiedenen politischen Gruppierungen entlang der bekannten regionalen Interessengruppen. Es scheint so – wie auch damals – das ein relativ einheitlicher Norden gegen die Interessen der Menschen im Südwesten auf der einen Seite und im Südosten auf der anderen Seite steht. Interessanterweise argumentieren die politischen Vertreter der letztgenannten beiden Regionen in die Richtung, das Yar’Adua seine zwei Amtszeiten erfüllen solle. Hintergrund dieser Überlegung ist, dass nach acht Jahren einer Präsidentschaft aus dem Norden aufgrund der vereinbarten Rotation in der PDP die Präsidentschaft wieder in den Süden fällt. Eine Unterbrechung der bieden Amtszeiten von Yar’Adua oder das Anknüpfen eines Kandidaten aus dem Norden an die erste Amtszeit von Yar’Adua würde die Macht des Nordens verlängern. Daran haben diese beiden Gruppierungen aus dem Süden ganz offensichtlich kein Interesse.
Im Norden selbst wird die bisherige Amtsführung von Präsident Yar’Adua und das Ausbleiben von nachhaltigen Erfolgen äußerst kritisch gesehen. Obwohl der Präsident nun zwei Jahre im Amt ist, könnten bisher keine Fortschritte bei einem der 7 Punkte seiner Agenda festgestellt werden. Es gibt sogar Stimmen, die meinen, es sei unter Obasanjo besser gewesen, da sei wenigstens etwas passiert. Vertreter des politischen Nordens weisen zudem darauf hin, dass Yar’Adua nicht der beste Kandidat der Region gewesen oder der eigene Kandidat der Region gewesen sei, sondern von Präsident Obasanjo überraschend heraus gepickt wurde.
Neben der allseits beliebten Diskussion über den Gesundheitszustand des Präsidenten gibt aber auch dessen persönliche Lebensführung Anlass zur Kritik. Die politischen Köpfe im Norden bemängeln, dass Präsident Yar’Adua im Gegensatz zu früheren Präsidenten keinerlei Interesse an strategischen Treffen hat und auch keine internen Zirkeln zur Zukunft der Partei beruft. Er ist kein Mensch, der um sich große Gruppen scharrt, im Gegenteil, er ist ein eher ein zurückhaltender Mensch. Manche bezeichnen ihn deshalb sogar als arrogant und anti-sozial. Die traditionellen islamischen Führer im Norden beschweren sich über diese zurückgezogene und zurückhaltende Art. Es sei nahezu unmöglich, mit dem Präsident ins Gespräch zukommen. Dieser zeige auch kein Interesse mit ihnen zusammen zu treffen. Hohe PDP-Funktionäre zeigten sich zudem befremdet, dass der Präsident nicht die Kräfte honoriert, die ihn an die Macht gebracht haben. Vielen führenden Mitgliedern der PDP auf Bundes- und Bundestaatsebene missfällt, dass der Präsident Yar’Adua ihnen nicht den Status von Beratern zuweist und ebenfalls auch nicht Geld in größerem Stil unter ihnen verteilt.
Diese verschiedenen Aspekte zusammen genommen, ergeben für die politischen Beobachter eine Wahrscheinlichkeit von lediglich 40 Prozent, dass Yar’Adua auf die Hilfe dieser Gruppen für eine zweite Amtszeit rechnen kann. Objektiv betrachtet hat der Präsident also einige Hindernisse vor sich, relativ wenig Verbündete und nicht wenige Feinde.
Zum einen hat er nicht das Vertrauen der traditionellen Königsmacher und der Führer der islamischen Institutionen im Norden Nigerias. Zum andern ist offen, wie der Obasanjo-Faktor zu bewerten ist. Und drittens stellt sich die Frage, wie loyal die junge, nachrückende Generation der Politiker aus dem nigerianischen Norden ist. In diesem Zusammenhang wird vor allem auf dem Gouverneur von Kwara-State, Bukola Saraki, hingewiesen, dem Ambitionen für die Präsidentschaftswahlen 2011 nachgesagt werden. Dieser ist aber so eng mit Präsident Yar’Adua verbunden, dass er diese Ambitionen, falls er sie wirklich haben sollte, jedenfalls nicht öffentlich artikulieren kann. Er wäre, so jedenfalls die Spekulation der Medien, besonders dann im Spiel, wenn Präsident Yar’Adua erst im letzten Moment erklärt, dass er für eine zweite Amtszeit nicht zur Verfügung steht und sich die politischen Zirkel im Norden dann nicht auf einen Kandidaten einigen können.

Bukola Saraki
Ebenfalls als potentieller Kandidat für die Präsidentschaft 2011 aus dem Norden wird der Schwiegersohn von Präsident Yar’Adua, der Governeur von Bauchi-State, Isa Yuguda, gehandelt. Das einzige Problem mit diesem Kandidaten ist, dass er zur Zeit noch Mitglied der ANPP ist. Sinngemäß gilt für Yuguda das gleiche, was bereits für Atiku formuliert wurde. Auch er war Mitglied der PDP, ist dann zur Opposition gewechselt, weil ihm seine eigene Partei kein Ticket für die Governeurswahlen geben wollte. Ironischerweise gewann er dann als Mitglied der ANPP die Governeurschaft in Bauchi und die Spekulationen nehmen kein Ende, dass er bald in die PDP zurück wechselt, zumal er erst vor einigen Wochen die Tochter von Yar’Adua geheiratet hat.

Yuguda mit Nafisa Yar´Adua
All das sind heute nur Spekulationen. Aber wir lieben das, genau wie die Medien. Aber für heute wollen wir uns den Worten von Ibrahim Haruna, dem Chairman des AREVA-Forum, anschließen, denn der meint:
„Wir haben noch nicht das Ende von Yar’Adua erster Amtszeit gesehen und wir wissen nicht, ob er diese nicht mit einem großen Knall abschließt und damit automatisch das Ticket für die zweite Amtszeit in der Hand hält.”
Also warten wir ab. Aber ich bleibe am Ball, versprochen.