Ende der Yar´Adua Jahre

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Als Präsident Yar´Adua im April 2007 in das Amt des Präsidenten Nigerias gewählt wurde, erbte viele Problem von der Vorgängerregierung, die seit der Rückkehr zur Demokratie 1999 nicht gelöst werden konnten, wie den Konflikt im Niger-Delta, die mangelhafte Energieversorgung, die gravierende Armut, Infrastrukturdefizite, ein marodes Gesundheitssystem, eine prekäre Sicherheitslage, einen umstrittener Länderfinanzausgleich (Beteiligung an den Erdöleinnahmen), ein allgemeines Demokratiedefizit und eine endemische Korruption.

Yar'-Adua

Die Bilanz der nur knapp dreijährigen Regierungszeit Yar´Adua´s fällt – betrachte man diese Bereiche – äußerst bescheiden aus.

Bis auf die vorläufige Beruhigung im Niger-Delta durch das erfolgreiche Amnestieprogramm und die Einsetzung der Uwais-Kommission zur Reform des Wahlrechts hat Yar´Adua kein Problem wirklich lösen können. Die immer wieder angekündigte Erklärung eines Notstandes im Energiesektor, die dem Präsidenten weitgehende Vollmachten zur Lösung des Problems eingeräumt hätten, wurde ebenso wenig umgesetzt wie auch andere Politikschwerpunkte der 7-Punkte-Agenda nicht wirklich beherzt angegangen wurden. Präsident Yar´Adua hatte den schleppenden Fortschritt seiner Refompolitik noch mit den Notwendigkeiten einer genauen Problemanalyse erklärt. Aber bis heute bleiben einige seiner Entscheidungen rätselhaft, so zum Beispiel dier Absetzung des Vorsitzenden der EFCC, Ribadu oder auch die Abänderung der Vorschläge der Uwais-Kommission zur Wahlrechtsreform.

Yar´Adua in vielerlei Hinsicht ein bemerkenswerter Mann. Er war ein einfacher, ehrlicher und netter Mensch, der in keiner Weise dem allgemeinen Politikertyp in Nigeria entsprochen hat. Er war in den Gesprächen immer analytisch, zuhörend, abwägend und andere Meinungen respektierend. Er war methodisch im Vorgehen und in der Umsetzung seiner Politik. Er hatte überhaupt keine der sonst typischen Eigenschaften der arroganten Politikerklasse. Yar´Adua war der erste Universitätsabsolvent, der Präsident Nigerias wurde. Er war der erste Gouverneur, der aus diesem Amt in das höchste Amt aufsteigen konnte. Er war der erste Präsident, der die Macht von einem ebenfalls demokratisch gewählten Präsidenten übernahm.

Yar´Adua war sehr krank. Seine Präsidentschaft stand permanent unter dem schlechten Stern seiner unklaren Gesundheit. Er hatte zu keinem Zeitpunkt die physischen Fitness, um die gewaltigen Lasten der nigerianischen Probleme zu schultern. Yar´Adua war ein Mann von außergewöhnlicher Disziplin, Integrität und Ehrlichkeit. Er wurde nie persönlich mit Korruption in Verbindung gebracht. Vielmehr war er der erste Präsident Nigerias, der zu Beginn seiner Amtszeit seine Vermögensverhältnisse offengelegt hat. Das brachte ihm den Respekt der Bevölkerung ein, machte ihn aber in den Reihen der überwiegend korrupten Politiker nicht unbedingt beliebter.

Yar´Adua war einer der wenigen Politiker in der PDP, der zugegeben und akzeptiert hat, dass die Wahlen, die ihn zum Präsidenten Nigerias machten, nicht den internationalen Standards gerecht geworden sind. Er versprach bei der Amtseinführung das Wahlrecht zu reformieren und rief die Uwais-Kommission zur Reform des Wahlrechts ins Leben. Sein größter politischer Erfolg war die Befriedung des Konfliktes im Niger- Delta gewesen sein. Die Militanten legten die Waffen nieder und auch hier hielt Yar´Adua Wort und wurde somit auch der erste Präsident, der die Militantenführer persönlich empfing und zeigte, dass er ihre Beschwerden ernst nahm. Er schuf das Ministerium für das Niger-Delta, das die Entwicklungsbemühungen in der vernachlässigten Region koordinieren sollte.

Wenn es in der Präsidentschaft Yar´Aduas einen Zeitpunkt gegeben hat, in dem die Entwicklung in die falsche Richtung gelaufen ist, dann war es der Zeitraum unmittelbar nach der Bestätigung seiner Wahl durch das Oberste Gericht und die nachfolgende Umbildung des Kabinetts. Anstatt den Kampf mit den Gouverneuren zu suchen und diese zu zwingen, ihm fähige und erfahrene Politiker ins Kabinett zu schicken (jeder Bundesstaat hat das Verfassungsrecht auf einen Kabinettsminister), ließ er die Gouverneure einfach ihre Vorschläge machen und akzeptierte Menschen, die weder seine Ideen noch seine Ideale teilten. Nur wenige Minister waren wirklich bereit, ihre Kraft und Energie in ein verantwortliches Regierungshandeln zum Wohl Nigerias zu investieren.

Yar´Adua kann nicht dafür verantwortlich gemacht werden, wie mit ihm umgegangen wurde, nachdem er nach Saudi-Arabien ausgeflogen werden musste; nicht für die Umstände der Rückkehr in einer Nacht-und-Nebel-Aktion und auch nicht für das entwürdigende und menschenverachtende Schauspiel der ihn umgebenen machtversessenen Clique. Nur allzu offensichtlich war er selbst nicht mehr fähig, diesem Treiben Einhalt zu bieten. Am Ende war er nur eine Figur, die nicht mehr kontrollieren konnte, was mit ihm geschah. Yar´Adua war ein gutmeinender Politiker, der seine Versprechen nicht halten konnte, weil er sich mit den falschen Leuten und Beratern umgab, die seine Ideale und Ideen nicht geteilt haben.

 

Yar´Adua kehrt nach Nigeria zurück

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Yar'-Adua

Am 9. Februar 2010 hatte der bisherige Vize-Präsident Jonathan Goodluck die Amtsgeschäfte als Amtierender Präsident übernommen und Nigeria damit eine Perspektive einer handlungsfähigen Politik für das letzte Jahr vor den allgemeinen Wahlen im Frühjahr 2011 eröffnete,. Mit der überraschenden Rückkehr des kranken Präsidenten aus Saudi-Arabien droht das Land erneut in die Lähmung des politischen Machtkampfes zurück zu fallen.

Präsident Yar'Adua ist weiter schwer krank - und solange er von niemanden gesehen worden ist, werden die Zweifel nicht verstummen, er werde nur noch durch Apparate physisch am Leben gehalten. Beobachter gehen davon aus, dass die letzten Erklärungen von Yar´Adua nicht von ihm selbst sind, sondern seine Entourage (allen voran seine Frau Turai) gesprochen hat. Ob diese Gruppe der Einflüsterer um den Präsidenten herum glaubt, dass sie diese Position so hartnäckig verteidigen müssen, um eine spätere Rückkehr Yar'Aduas ins Amt zu ermöglichen, wird ohne Kenntnis des wahren Gesundheitszustands des Präsidenten nur schwer zu sagen sein. Jedenfalls schien ein weiterer Aufenthalt in Djidda nicht mehr möglich. Wäre er dort geblieben, dann wäre die Amtsenthebung Yar'Aduas unvermeidlich geworden. So ist mit der Nacht-und-Nebel-Aktion seiner Rückkehr für eine gewisse Zeit seine Machtposition erst einmal verbessert.

Letzte Amnestiewoche bricht an

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Noch knapp eine Woche bis zum Ende der Amnestieperiode. Es lässt sich festhalten, dass erheblich mehr Militante in den Sammellagern erschienen sind und das Amnestieangebot angenommen haben, als man zu Beginn des Monats erwarten konnte. Von den bekannten Namen unten den Militantenführer haben Soboma George und Boyloaf ihren Kampf aufgegeben und die Amnestie akzeptiert, so dass man davon ausgehen kann, dass viele Militante in den Lagern zu deren Gruppen gehören. Mittlerweile konnte auch eine erkleckliche Anzahl an Waffen eingesammelt werden.

Andere bekannte Namen, wie z.B. Ateke Tom, fehlen noch und Asari Dokubo gehört sogar zu denen, die sich energisch gegen das Amnestieangebot wenden. 2.000 Militante haben nach Angaben des Minister für das Niger-Delta mittlerweile ihren Kampf aufgegeben. In Anbetracht der geschätzten Gesamtzahl an Militanten (bis zu 10.000) hängt viel an der letzten Woche.

Große Unsicherheit gibt es darüber, wer in den Sammellagern aufgeben hat und welche Waffen dort abgeben wurden. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass wirklich alle Waffen abgeliefert werden (siehe exemplarisch das Statement in der Online-Ausgabe einer nigerianischen Zeitung: „Hold on to your Guns. A man with a Gun IS A CITIZEN , while a man without a Gun will always be a subject.“

Die Amnestie hat ihre eigenen Gefahren des Scheitern in sich. Das Ende des Konflikts im Niger-Delta bedeutet für die Krisenprofiteure das Ende eines lukrativen Geschäfts und für andere der Beginn eines unbequemen harten Lebens. Zu viele haben die Tragödie des Niger-Deltas in ein lukratives Geschäft verwandelt. Damit die mit dem Amnestieangebot begonnene Befriedung der Region erfolgreich wird, muss die Regierung von Präsident Yar ́Adua aber die dem Konflikt zugrunde liegenden Probleme überzeugend und nachhaltig angehen.

Wahlchaos in Nigeria

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In einem kleinen Bundesstaat Nigerias, in Ekiti, ungefähr 250 Kilometer südwestlich von der Hauptstadt Abuja, fanden am 25. April 2009 Neuwahlen statt. Wie in so vielen Wahlen in der Vergangenheit waren aus diese von zum Teil gravierenden Ausschreitungen und Versuchen der gewaltsamen Manipulation durch die Parteianhänger der beiden konkurrierenden Parteien begleitet. Viele Beobachter hielten diese Wahl für einen Test, ob und inwieweit die neue Regierung es ernst meint, freie und faire Wahlen zu ermöglichen. 

nigeria-map

Diese Erwartungen waren sicherlich übertrieben, da noch kein einziges Gesetzespaket in das Parlament weitergeleitet worden war, welches die Reformschläge der so-genannten Uwais-Kommission umsetzt. Leider ging bei dieser Wahl so ziemlich alles daneben, was daneben gehen kann, obwohl die Vorbereitung diesmal von allen Seiten ernst genommen worden und auch nach internationaler Meinung ausgesprochen gut war. (weiter...)

Desertifikation in Nigeria

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sahel
(Foto: JCS, 2008)

Statistiken zeigen, dass Nigeria jährlich 350.000 Hektar landwirtschaftlich nutzbare Fläche verliert. Hauptsächlich sind davon die zehn nördlichen Bundesstaaten Nigerias betroffen. Die Sahara breitet sich mit einer Geschwindigkeit von 600 Meter pro Jahr Richtung Süden aus und hat bereits Hunderttausende von Nigerianern aus ihren angestammten Wohngebieten vertrieben. So mussten beispielsweise in Yobe State mehr als 50.000 Farmer aus 100 verschiedenen Orten umgesiedelt werden. In Borno-State sind es bereits mehr als 40.000 Menschen. Ehe eine Sanddüne aber den Lebensraum besetzt, haben sich die längst andere negative Auswirkungen bemerkbar gemacht. (weiter...)